Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät - Kultur- und Sozialgeographie

5. Wohnen im Alter in Berlin

Durch Privatisierung, Gentrifizierung und einem großen Bevölkerungszuzug in Städte werden Wohnungen, ganz besonders günstige Wohnungen, zu begehrten Objekten – so auch in Berlin. Für ältere Menschen, die mehrheitlich so lange wie möglich in der eigenen Wohnung leben möchten, ergeben sich dadurch verschiedene Probleme: Zum einen wohnen viele Ältere in großen Wohnungen, die sie früher mit ihren Kindern und Partner*innen bewohnt haben – auch wenn sie heute alleinstehend sind. Für ältere Menschen kann eine große Wohnung allerdings auch belastend sein. Ein Umzug in eine kleinere Wohnung ist aber nicht einfach: Viele Ältere fürchten, den organisatorischen Aufwand nicht bewältigen zu können. Zudem sind es die unzähligen Erinnerungen, die die Wohnung zu einem Zuhause werden ließen. So leben viele ältere Menschen allein oder zu zweit in Wohnungen, die ihnen eigentlich zu groß sind, während junge Familien händeringend nach größeren Wohnungen suchen.

 

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Zum anderen ist es für ältere Menschen oftmals schwierig, eine neue bezahlbare Wohnung zu finden. Meist haben sie noch alte und vergleichsweise günstige Mietverträge für ihre Wohnungen. Eine kleinere Wohnung zu mieten, die im besten Fall barrierefrei zugänglich ist, ist in vielen Fällen teurer als in der großen Wohnung zu verbleiben. Diese Situation nennt man Lock-In-Effekt. In Familien mit einem insgesamt geringen Einkommen rücken dann die Betroffenen enger zusammen. Zehn Prozent der Befragten unserer Forschung wohnen gemeinsam mit ihren Kindern oder Enkeln. Das muss nicht unbedingt auf guten Beziehungen zueinander basieren, sondern kann auch daran liegen, dass sich die Älteren oder die Jüngeren keine eigene Wohnung leisten können. Weil sich kaum jemand wünscht, im Altersheim alt zu werden und das gemeinsame Wohnen mit der Familie sehr selten geworden ist, entwickeln ältere Menschen neue Formen des gemeinsamen Wohnens - zum Beispiel das Wohnen mit Freunden und Bekannten. Für solche Projekte eine geeignete Wohnung zu finden, ist in einer Stadt, in der die Mieten steigen und der Wohnraum immer knapper wird, eine große Herausforderung. Das führt leider dazu, dass alternative Wohnprojekte im Alter kaum realisiert werden können, obwohl viele innovative Ideen zum Alt werden in Gemeinschaft vorhanden sind.

 

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Um die wachsende Wohnungsnot zu bekämpfen, sollten Städte und Kommunen realisieren, dass der Mangel an Wohnraum auch mit dem demographischen Wandel zusammenhängt. Die Bedürfnisse älterer Menschen nach kleineren, günstigen Wohnungen, aber auch nach Wohnraum für alternative Wohnformen sollte von politischer Seite ernst genommen und unterstützt werden.

 

 

 

 

 

Infografik: Wohnen im Alter in Berlin

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Illustration: Mauro Rego

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