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Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät - Angewandte Geographie und Raumplanung

Verdrängungsprozesse in Berlin

Projektkurzbeschreibung

Der Berliner Wohnungsmarkt steht vor enormen Herausforderungen. Das starke Bevölkerungswachstum der Stadt und die Verkleinerung der Haushaltsgrößen im Zuge des demographischen Wandels erhöhen die Nachfrage nach Wohnungen und führen insbesondere in innerstädtischen Wohnquartieren zu steigenden Mieten. In der Öffentlichkeit und in der Wissenschaft werden diese Entwicklungen mit dem Phänomen der Gentrifizierung in Verbindung gebracht, also dem Austausch von Haushalten mit sozioökonomisch niedrigerem Status durch Haushalte mit sozioökonomisch höherem Status insbesondere in innenstadtnahen Wohnquartieren. Ob dieser Bevölkerungsaustausch tatsächlich ein Ergebnis von Verdrängungsprozessen ist, wird in der Stadtforschung allerdings seit langem kontrovers diskutiert, da es hierzu an belastbaren empirischen Studien mangelt.

Das Kooperationsprojekt „Verdrängungsprozesse in Berlin“ des Geographischen Instituts der Humboldt-Universität zu Berlin und der Wüstenrot Stiftung stellt sich der Herausforderung, Verdrängung empirisch zu untersuchen und Verdrängungsprozesse zu quantifizieren. Es fragt danach, wohin Verdrängte ziehen und welche Auswirkungen ihr unfreiwilliger Umzug für sie hat. Darüber hinaus werden die Implikationen von Verdrängungsprozessen für unterschiedliche Stadtteile (wie beispielsweise die Verschärfung sozialer Probleme oder der Folgen des demographischen Wandels) in den Blick genommen. Aus den gewonnenen Ergebnissen sollen Schlussfolgerungen für Planung und Politik gezogen werden.

Im Mittelpunkt des Projektes steht eine standardisierte postalische Befragung von 10.000 Wegzüglern aus den Berliner Bezirken Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg. Diese Bezirke spiegeln unterschiedliche Stadien der wohnungswirtschaftlichen und sozialen Aufwertung wider. Die Zufallsstichprobe wird aus dem Einwohnermelderegister Berlins gezogen. Um unter den Befragten diejenigen zu identifizieren, die nicht freiwillig um- bzw. weggezogen und mithin der Kategorie der Verdrängten zuzurechnen sind, liegt ein Schwerpunkt der Befragung auf der Ermittlung von Umzugsanlässen. Zudem werden die Gründe für die Wohnstandortwahl sowie die Wohnzufriedenheit am neuen Wohnort erfragt. Anhand der Erkenntnisse aus der standardisierten Befragung wird eine erste Typologie der Verdrängten (z.B. direkt und indirekt Verdrängte) entwickelt.

Um die erzielten Ergebnisse zu validieren und detaillierteres Wissen über Verdrängungsprozesse und die Auswirkungen der Verdrängung auf die betroffenen Personen/Haushalte zu gewinnen, sind anschließende vertiefende qualitative Interviews mit Verdrängten geplant.

 

Die 2019 erschienene Abschlusspublikation ist hier kostenlos zu beziehen.

 

Projektlaufzeit:        2014-2018

 


Ansprechpartner:     Prof. Dr. Henning Nuissl
                                 Angewandte Geographie/Raumplanung
                                 henning.nuissl@geo.hu-berlin.de

                                 Dr. Fabian Beran
                                 Angewandte Geographie/Raumplanung
                                 fabian.beran@geo.hu-berlin.de

                                 Dr. Stefan Krämer                               
                                 Wüstenrot Stiftung
                                 stefan.kraemer@wstg.de