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Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät - Zentrale Dienste

Katalanische Portolankarte des Rafael Soler

Die Karte stellt das Becken des Mittelmeeres sowie das Gebiet des Schwarzen Meeres dar. Die atlantischen Küsten erfassen lediglich die Abschnitte von Gibraltar zum Capo de S.Vincente und in Afrika die Nordwestküste bis Safi.

Die Zentralrose liegt im nördlichen Griechenland, sie wird durch eine farbige Kompassrosette geziert. Das Kartenbild reicht über den Kreis der 16 Nebenrosen nach Osten nicht wesentlich hinaus; im Westen dagegen ist zusätzlich eine Rose im nördlichen Spanien konstruiert.

Die Zeichnung der Küstenlinie und die Beschriftung der Häfen erfolgte mit großer Sorgfalt, das Binnenland hingegen hat nur geringe Beachtung erfahren. Bis auf die Wappenfahnen und einige wenige Städtevignetten, in Nordafrika Kairo und Tirimise (in Algerien), in Asien Jerusalem und Damaskus und in Europa Avignon, Rom, Venedig und Vecina (Vidin an der Donau), ist es freigelassen.

Der Verfasser der Karte galt bisher als unbekannt. Konrad Kretschmar vermutete aufgrund von dialektischen Eigenheiten (z.B. Veniexia), dass es ein Venetianer gewesen sein könnte, aber bereits Heinrich Winter verwies auf die katalanische Herkunft. Neueste Untersuchungen durch Ramon J. Pujades machen Rafael Soler als Autor wahrscheinlich. Der Vorname Rafael ist zweifelsfrei auf dem Nacken des Pergamentes lesbar. R. Soler ist als Kartenzeichner bisher wenig bekannt. Die Gestaltung seiner Karte folgt dem Stil der Karten des Wilhelm Soler (z.B. Liste der Ortsnamen), so dass anzunehmen ist, dass es sich um seinen Sohn handelt. Ort und Datum der Herausgabe sind nicht mehr zu identifizieren, Anhaltspunkte können aber der Karte entnommen werden. So geben die Wappenfähnchen wertvolle Hinweise auf die politische Zugehörigkeit der jeweiligen Territorien. Danach könnte die Karte noch vor 1417 angefertigt worden sein, denn über Avignon weht noch die päpstliche Flagge (das große Schisma wurde 1417 beendet); ganz sicher aber wurde sie vor 1453 gezeichnet, da Konstantinopel (Istanbul) noch nicht in türkischen Händen lag. Ein solches, die gesamte Christenheit bewegendes Ereignis wäre vom Kartenzeichner wohl kaum vernachlässigt worden.

Die Karte ist leidlich gut erhalten. In der Gegend der Dalmatischen Inseln ist ein kleines ovales Loch, welches aber schon von Anfang an in dem schweinsledernden Pergament gewesen sein könnte. Die Größe der Karte, einschließlich der Zunge am westlichen Rand, beträgt 91x59 cm. Sie wurde 1907 aus italienischem Privatbesitz vom Geographischen Institut erworben.

Die Karte wurde 1908 von Konrad Kretschmar in 3/4 der Originalgröße photolithographiert und in seinem Buch "Die italienischen Portolane des Mittelalters" (Veröffentlichungen des Institutes für Meereskunde und des Geographischen Institutes an der Universität Berlin, Heft 13, Februar 1909) publiziert. Sie ist auch im 2008 erschienenen Buch von Ramon J. Pujades "Les Cartes Portolanes" abgebildet. (G. Schilling)