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Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät - Angewandte Geographie und Raumplanung

Global Urban Commons

Projekthaus Potsdam (Hausprojekt im Verbund des Mietshäuser Syndikats) und Internationales Treffen des Mietshäuser Syndikats, Dez 2017

 

Das DFG-Projekt "Wohnen als Global Urban Commons. Strategien und Netzwerke zur transnationalen Mobilisierung alternativer Wohnungspolitiken" beschäftigt sich mit der lokalen und transnationalen Vernetzung und Mobilisierung von Praktiken und AkteurInnen im Kontext von sogenannten Housing Commons. Zugleich ist von Interesse, welche Rolle diese gemeinwohlorientierten zivilgesellschaftlichen AkteurInnen bei der Neuausrichtung kommunaler wohnungspolitischer Ansätze spielen (können).

 

Forschungslücke und Zielstellung des Projektes

Als Reaktion auf die global zunehmend brisante Wohnungsfrage formieren sich seit einigen Jahren zahlreiche lokale Protestbewegungen und Netzwerke, und es etablieren sich alternative Wohnformen und nichtgewinnorientierte Eigentumsmodelle. Die Ideen dieser Wohnungsinitiativen zirkulieren global und beeinflussen sich gegenseitig. Im Sinne von Global Urban Commons, d.h. als gemeinschaftlich produzierte nichtkommodifizierte Ressourcen und widerständige Praktiken (vgl. Linebaugh 2008), beeinflussen sie in europäischen Städten temporär oder längerfristig in zunehmendem Maße wohnungspolitische Entscheidungen.

Allerdings wird in der Forschung bisher nur begrenzt den Hinweisen auf eine stärkere überlokale und multiskalare Vernetzung und Überwindung der räumlichen Reichweite von urbanen sozialen Bewegungen im Allgemeinen und wohnungspolitischen Initiativen im Besonderen nachgegangen. An dieser Stelle eröffnet sich eine interessante Forschungslücke hinsichtlich der lokalen und gleichzeitig transnationalen Vernetzung und Mobilisierung von Praktiken und AkteurInnen im Kontext von sogenannten Housing Commons. Ausgehend von dieser Beobachtung gilt es, das transformative Potenzial der Mobilität und Verflechtung von alternativen Ansätzen und Formen im Bereich Wohnen sichtbar zu machen. Daher besteht die zentrale Zielstellung des geplanten Projektes darin, die AkteurInnen, Hintergründe, Funktionsweise und lokalen Effekte global zirkulierender alternativer Ansätze zu Wohnen und damit verbundene multiskalare Netzwerke zu analysieren.

 

Theoretischer Rahmen

Um die Forschungslücke des Projektes zu schließen, wird Wohnen als eine Form von Urban Commons unter Verwendung des mobile policies-Ansatzes (vgl. McCann/Ward 2012) und räumlichkeitsbezogener Elemente, insbespndere der Netzwerktheorie (vgl. Nicholls/Miller/Beaumont 2013; Della Porta/Diani 2006) diskutiert.

 

Vier Fallstudien

Empirisch konzentriert sich die Studie auf folgende gemeinwohlorientierten dekommodifizierten und (eher) selbstverwalteten Wohn- und Eigentumsmodellen in Europa:

  • Miethäuser Syndikat in Deutschland und dessen „Ableger“ in anderen europäischen Ländern
  • Community Land Trusts in England

Gleichzeitig wird untersucht, wie sich diese zivilgesellschaftlichen Strategien einer gemeinwohlorientierten Wohnungsentwicklung in ausgewählten Städten niederschlagen:

  • Berlin
  • Wien
  • Amsterdam
  • London
  • Barcelona

 

Methoden

Methodologisch setzt das Vorhaben auf die Analyse relationaler Situationen.

  • Es bedient sich dafür problemzentrierten Interviews mit SchlüsselaktivistInnen sowie SprecherInnen intermediärer Institutionen wie Stiftungen, NGOs und Genossenschaftsbanken und teilnehmenden Beobachtungen an Veranstaltungen wie Vernetzungstreffen und Runden Tischen.
  • Diese Erhebungsmethoden stellen die Basis für die qualitative Netzwerkanalyse dar, mit der die Netzwerke der Commoners und die Mobilisierung ihrer Strategien untersucht werden.
  • Außerdem werden ExpertInneninterviews u.a. mit SprecherInnen von Stadtverwaltungen durchgeführt, um die räumlich-politischen Effekte der Zirkulierung neuer wohnungspolitischer Ideen zu analysieren.

 

Beitrag zur Forschung

Die Gegenüberstellung verschiedener Modelle soll generalisierende Erkenntnisse über die Funktionsweise und lokalen Effekte der transnationalen Diffusion alternativer Wohnansätze und damit verbundener Bewegungsnetzwerke liefern. Damit möchte das Projekt einen Beitrag zur Erforschung von Netzwerken und Policy-Mobilität wohnungspolitischer Bewegungen leisten.

 

Projektleitung:     Dr. Corinna Hölzl: corinna.hoelzl@geo.hu-berlin.de

Laufzeit:         2017-2021