Auslaufende Sozialbindung in den Bezirken Berlins
Quantitative Erfassung und Visualisierung der Verteilung über die Stadt und Erarbeitung von Handlungsmaßnahmen
Projektbeschreibung:
DE: Der Soziale Wohnungsbau erlebte in der Bundesrepublik seit der Nachkriegszeit einen Funktionswandel weg von einer universellen Sozialpolitik für breite Schichten der Bevölkerung hin zu einem wohnungspolitischen Instrument für Randgruppen. Im Gegensatz zu anderen Ländern (z. B. Österreich mit dem „Wiener Modell“) werden hierzulande wohnungspolitische Eingriffe als temporäre Maßnahme betrachtet, um vorübergehende Ungleichgewichte auf dem Wohnungsmarkt zu korrigieren: Hauptmerkmal ist dabei die Bezuschussung jeglicher Art von Wohnungsanbieter; diese stellen im Gegenzug Wohnraum mit einer befristeten Mietpreis- und Belegungsbindung (Sozialbindung) zur Verfügung. Dies hat erstens zur Folge, dass der Staat dauerhafte Unterstützung in Form von Fördermitteln bereitstellen muss, zweitens fallen durch die Befristung regelmäßig Sozialwohnungen weg.
Allein in Berlin fielen seit 2014 rund 26.000 Wohnungen aus der Sozialbindung, bis 2032 schätzungsweise weitere 23.616 Wohnungen. Betroffenen Mieter*innen drohen Mieterhöhungen, Umwandlungen und Eigenbedarfskündigungen. Auf einem ohnehin bereits angespannten Wohnungsmarkt führt diese Entwicklung zu einer weiteren Verschärfung der Wohnraumversorgung – insbesondere für Haushalte mit niedrigen und mittleren Einkommen.
Protestwellen und zwei Volksentscheide zur Demokratisierung und Dekommodifizierung des Wohnungsmarktes führten teilweise auch zu einem politischen Umdenken. Gesetzesvorschläge reichen von verpflichtenden Sozialwohnungsquoten im Bestand bis zu Ankaufsstrategien, Neubau und Vergesellschaftung. Dennoch fehlt es bislang an Wissen über die räumliche Verteilung auslaufender Bindungen, Eigentümerstrukturen und wirksame Instrumente zur Definanzialisierung.
Dieses Projekt versucht, diese Lücke in zwei Teilen zu schließen: Im ersten Teil wird das Ausmaß des Wegfalls von Sozialwohnungen in Berlin bis 2032 dargestellt, räumlich differenziert nach Eigentümerstrukturen. Im zweiten Teil die wirksamsten politischen Langzeitinstrumente zur dauerhaften Wohnraumsicherung identifiziert und bewertet.
EN: Since the post-war period, social housing in the Federal Republic of Germany has undergone a functional shift away from a universal social policy for broad segments of the population toward a housing policy instrument targeted at marginalised groups. Unlike in other countries (e.g. Austria with the “Vienna Model”), housing policy interventions in Germany are generally understood as temporary measures to correct short-term imbalances in the housing market. Their core feature is the subsidisation of all types of housing providers, who in return offer dwellings subject to time-limited rent and occupancy restrictions (social housing status). This has two consequences: first, the state must provide ongoing support through subsidies; second, the time limits mean that social housing is continuously lost as restrictions expire.
In Berlin alone, around 26,000 dwellings have lost their social housing status since 2014; by 2032, a further estimated 23,616 dwellings will follow. Affected tenants face rent increases, conversions, and owner-occupation evictions. In an already strained housing market, this development further exacerbates housing provision—particularly for low- and middle-income households.
Waves of protest and two referenda aimed at democratising and decommodifying the housing market have partly triggered a political rethink. Legislative proposals range from mandatory social housing quotas in the existing stock to acquisition strategies, new construction, and socialisation. Nevertheless, there remains a lack of knowledge regarding the spatial distribution of expiring restrictions, ownership structures, and effective instruments for deffinancialisation.
This project seeks to close this gap in two parts: the first maps the scale of social housing loss in Berlin up to 2032, spatially differentiated by ownership structures. The second identifies and evaluates the most effective long-term policy instruments for securing housing on a permanent basis.
Projektlaufzeit: 2025-2026
Projektleitung: Dr. Corinna Hoelzl-Verwiebe, Prof. Dr. Henning Nuissl
Projektbearbeitung: Vivian Missel, Jana Scheffer
