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Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät II - Verkehrsgeographie

Themenangebote für Abschlussarbeiten

Vorschläge für 4 Studien- und Diplomarbeitsthemen Integration eines "Wohlfühlfaktors" in die Personenverkehrsmodellierung

Hintergrund

Die Modellierung des Modalwahlverhaltens von Personen beruht augenblicklich bei den meisten Modellen auf der Betrachtung der zeitlichen und finanziellen Kosten, die sich bei der Wahl einer der zur Verfügung stehenden Alternativen ergeben. Diese Rational Choice Modelle und die ihnen zu Grunde liegenden Nutzenfunktionen blenden weitere Einflussfaktoren der Modalwahl wie persönliche Einstellungen und Erwartungshaltungen, Gewohnheiten und nutzerseitige Wahrnehmungen der Sicherheit und Zuverlässigkeit weitestgehend aus bzw. nehmen eine starke Reduzierung ihrer Betrachtung vor. Eine Integration der genannten, schwer zu quantifizierenden und oftmals nicht rationalen Einflussfaktoren erfolgt zumeist mittels der Modellierung einer Ungewissheit bei der Modalwahl (oder konkret des Einbaus einer gewissen Wahrscheinlichkeit, eine andere als die optimale Entscheidung zu treffen). Als Beispiele hierfür können die indirekte Betrachtung der Bequemlichkeit einer ÖV-Wahl durch die Berücksichtigung der Umsteigevorgänge und Wartezeiten, eventuell sogar der Stehwahrscheinlichkeiten zu bestimmten Tageszeiten bei der Ermittlung der Kosten einerseits sowie die Nutzung modalabhängiger Value-of-Time-Höhen als abstraktere Art der Berücksichtigung genannt werden. Beide Varianten berücksichtigen unterschiedliche Bequemlichkeiten indirekt, ermöglichen jedoch nur eine sehr begrenzte Reaktionsmodellierung im Falle von Maßnahmen, die auf eine Veränderung hinsichtlich des Sicherheitsgefühls, des Informationsstandes oder der Bequemlichkeit abzielen.

Generell bestehen Bemühungen, Einstellungen der handelnden Personen vermehrt bei der Bestim-mung ihres Modalwahlverhaltens zu berücksichtigen. Die Untersuchungen zielen dabei darauf ab, den Einfluss von Umweltbewusstsein, Lifestyle, Erwartungshaltungen oder Gewohnheiten auf die Verkehrsmittelwahl zu ermitteln. Oftmals sind die Ergebnisse jedoch stark deskriptiv, und eine direkte Übertragung auf die Simulation gestaltet sich schwierig. Vor allem Befragungen von Fahrradfahrern und ÖV-Nutzern zeigen jedoch, dass entsprechende Kriterien (Beschaffenheit und Existenz von Radwegen, wahrgenommenes Gefährdungspotenzial, Sicherheitsgefühl beim Haltestellenzugang) einen starken Einfluss auf die Wahl der entsprechenden Verkehrsmittel ausüben. Eine andere Forschungsrichtung beschäftigt sich mit sozialen Einflüssen, d.h. wahrgenommener Erwartungshaltung von Dritten, ökologische Überlegungen und Prestigeorientierung etc. Als Beispiel eines entsprechenden theoretischen Ansatzes kann die Theory of Planned Behavior gelten.

Eine weitere Möglichkeit, externe Einflussgrößen auf die Verkehrsmittelwahl in die Modellierung zu integrieren, bietet die Ankopplung eines Wohnstandortmodells. Durch die Abbildung von residentieller Mobilität in Abhängigkeit von Einflussgrößen wie verkehrlicher Erschließung, Sicherheitsempfinden und Aufenthaltsqualität wird ein Zusammenhang zwischen dem Verkehrsverhalten und den umgebenden Eigenschaften des Wohnstandortes hergestellt. In diesem Fall liegt der Fokus darauf solche Faktoren zu quantifizieren, die unterschiedliche Wohnumfeldqualitäten beschreiben. Dieser Ansatz baut damit auf der Annahme auf, dass die Bewertung des Wohnumfelds Einfluss auf das Verkehrsverhalten und konkret das Verkehrsmittelwahlverhalten hat.

Nachfolgend sind in diesem Kontext vier Themen zur Bearbeitung als Studien- oder Diplomarbeit ausgeschrieben:
  • Thema 1: Nicht-rationales Verhalten in Verkehrsnachfragesimulationen
  • Thema 2: Exemplarische Untersuchung qualitativer Einflüsse auf die Verkehrsmittelwahl
  • Thema 3: Integration residentieller Mobilität in ein mikroskopisches Modell zur Berechnung der Verkehrsnachfrage (TAPAS) – Modellkompatibilitäten
  • Thema 4: Integration residentieller Mobilität in ein mikroskopisches Modell zur Berechnung der Verkehrsnachfrage (TAPAS) – Felduntersuchung



Zielführung und Information im Individualverkehr

Die Verkehrsentwicklung der letzten Jahrzehnte und die daraus bedingten Folgeprobleme erfordern neue Verkehrskonzepte, -ideen und –technologien.

Die Telematik als Kombination aus Telekommunikation und Informatik stellt eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Verfügung, mit denen man das derzeitige Verkehrsaufkommen verlagern, verträglicher (effizienter) abwickeln bzw. vermeiden möchte. Verkehrstelematik kann grundsätzlich nach ihren Funktionen aufgegliedert werden. So unterscheidet man beispielsweise neben der Überwachung und Ortung und der Fahrerassistenz, auch die Zielführung und Information (Navigation.

Wenig bekannt ist jedoch, welche verkehrlichen und räumlichen Auswirkungen sich aus der Nutzung von Verkehrstelematik ergeben. Kommt es zu einer flächigen Verlagerung des Verkehrs? Oder wird die Bündelung des Verkehrs auf den Hauptstrecken verbessert? Für welche Strecken und Fahrtziele bzw. Fahrtzwecke werden die Dienste überhaupt genutzt? [Und wie bzw. von welchen Personengruppen werden diese Dienste angenommen (akzeptiert)] Es soll untersucht werden, welche Dienste es im Bereich der Zielführung und Information im Individualverkehr derzeit gibt und wie diese Dienste genutzt werden. Dabei soll zwischen statischen und mobilen Diensten unterschieden und analysiert werden, welche Anforderungen die Nutzer an den Dienst stellen. Zudem soll anhand von Literaturrecherche aufgearbeitet werden, inwieweit Verkehrsinformationen das Verkehrsverhalten beeinflussen bzw. beeinflussen können. Gegebenfalls kann hierbei zwischen dem Beeinflussungspotential von Verkehrsinformationen in städtischen und ländlichen Räumen unterschieden werden.

Verkehrsinformationssysteme im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV)

Mit einem Anteil von etwa 6% trägt der ÖPNV nur einen sehr geringen Teil zum Modal Split bei. Die Verkehrsentwicklung der letzten Jahrzehnte bedingt die Intention, mehr Verkehrsteilnehmer zum Umsteigen auf den Umweltverbund zu bewegen und Maßnahmen zu entwickeln, um Intermodalität zu fördern.

Grundsätzlich können Telematiksysteme zur Optimierung übergreifender, intermodaler Verkehrssysteme durch informations- und kommunikations-technische Vernetzung/Integration verschiedener Verkehrsträger beitragen.

Als ein Problem bei der Nutzung des ÖPNV stellen sich häufig für viele Menschen (vor allem auch mobilitätseingeschränkter Personen) die Beschaffung der notwendigen Information sowie der Umgang mit den vorgegebenen Strukturen heraus (z.B. Anschlusszeiten, Umsteigemodalitäten wie Verfügbarkeit von Aufzügen, Lage von Haltestellen). Hierbei sollen Verkehrsinformationssysteme eine unterstützende Funktion zur barrierefreien Nutzung des ÖPNV’s übernehmen.

Vor diesem Hintergrund soll (am Beispiel der Berliner Verkehrsbetriebe) untersucht werden, welches die entscheidenden Hemmfaktoren zur Nutzung des ÖPNV sind. Hierfür soll eine empirische Untersuchung sowohl von ÖPNV-Nutzern als auch ÖPNV-Nichtnutzern durchgeführt werden. Der Fokus der Erhebung liegt auf Verkehrsinformationen im ÖPNV und bedingt die Analyse welche Verkehrsinformationssysteme (statische und mobile, individuelle und kollektive) im ÖPNV derzeit eingesetzt werden. Exemplarisch soll dann für ein ausgewähltes Verkehrsinformationssystem herausgearbeitet werden wie die Verkehrsteilnehmer dieses System beurteilen und welche Anforderungen seitens des Nutzers an das System gestellt werden.

Navigationssysteme in LKW und ihr Einsatz zur Tourenoptimierung

Navigationssysteme dienen zur Positionsbestimmung, liefern Wegvorschläge und unterstützen den Fahrer bei der für ihn optimalen Routenwahl.

Im gewerblichen Bereich kann dies verknüpft werden mit einer Tourenplanung und -optimierung, die einerseits dazu beitragen soll, durch Zeit- und Wegeersparnisse Kosten zu senken, die andererseits aber auch die zeitgenaue Anlieferung unterstützt.

Offen ist dabei Zweierlei:

  • Welche Folge hat die Nutzung von Navigationssystemen im Güterverkehr für den innerstädtischen Verkehr? Erfolgt dadurch eine Verteilung des Verkehrs in die Fläche oder eher eine Bündelung auf den Hauptverkehrsstrecken?
  • Welche Unterstützung empfindet der LKW-Fahrer durch die Navigationshilfe? Wie hoch ist der Befolgungsgrad der Navigationshilfe?

Die Untersuchung soll an einem Beispielfall durchgeführt werden, d.h. dass die empirische Erhebung hauptsächlich auf qualitativen Methoden beruhen wird.